Viele Uni- oder FH-Absolventen stehen vor der wichtigen Entscheidung, etwas im Wirtschaftsbereich zu studieren oder doch lieber ein Ingenieurstudium anzustreben. Die gute Nachricht: Wer sich nicht entscheiden kann, muss das auch gar nicht tun. Denn es gibt einen Studiengang, der beides verbindet: der Wirtschaftsingenieur. Er verrichtet seine Arbeit dem Namen nach zwischen Wirtschaft und Technik, muss sich dafür auf beiden Gebieten gut auskennen. Vielseitige Themen wie z. B. Kostenrechnung, Marketing, Konstruktion, Fertigung und Einkauf zählen zu den täglichen Arbeitsgebieten.
Um auf dem sich rasant entwickelnden Markt mithalten zu können, wird zudem immer mehr Wert auf Managementkenntnisse, Verhandlungsführung und Fremdsprachenkenntnisse gelegt. Einsatzgebiete für den Wirtschaftsingenieur finden sich in fast allen Bereichen der Wirtschaft, im Vertrieb genauso wie in Produktion, Controlling oder Logistik.
Wer an einem solch vielseitigen Beruf Gefallen gefunden hat, für den bleibt allerdings doch noch eine Frage offen: reguläres (Präsenz‑)Studium oder doch lieber ein Fernstudium? Wir geben Tipps.
Der Faktor Zeit
Die Frage, ob Präsenzstudium oder Fernstudium, beantwortet sich meist schon von allein, wenn man den Faktor Zeit berücksichtigt. Ohne feste Anstellung und eigene Familie wird ein Direktstudium sicherlich die kürzere und damit bevorzugte Variante sein. Steht man jedoch mitten im Berufsalltag, ist ein Fernstudium zum Wirtschaftsingenieur die sinnvollere Alternative. Ein gutes Zeitmanagement und eiserne Disziplin sind hierbei Grundvoraussetzungen für den Erfolg.
An der Auswahl scheitert es indes nicht: Sowohl Fernschulen und allgemeine Hochschulen als auch kleinere Privatschulen bieten den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an. Ein Bachelor-Studiengang dauert mit einem Fernstudium in der Regel 6-7 Semester. Der Bachelor ist Voraussetzung für den Master-Studiengang, welcher nochmals 4-5 Semester in Anspruch nimmt. Im Durchschnitt liegt die gesamte Studiendauer bei einem Direktstudium bei rund 11 Semestern.
Ob allerdings im Rahmen eines Fernstudiums zum Wirtschaftsingenieur mehr Eigenstudium nötig ist, hängt vom Betrachter ab. Die didaktischen Lernunterlagen werden dem Studenten zugeschickt und müssen akribisch selbst durchgearbeitet werden. An- und Abfahrt zur Universität und überfüllte Hörsäle entfallen auf der anderen Seite. Entscheidend ist, ob man den sozialen Kontakt zum Lernen braucht oder allein effizienter, konzentrierter und schneller arbeiten kann.
Wirtschaftsingenieur: Kosten und Karrierechancen
Bei einem Fernstudium zum Wirtschaftsingenieur handelt es sich um einen interdisziplinären Studiengang. Bedeutet, dass verschiedene wissenschaftliche Fächer Bestandteil der Ausbildung sind. Im Wesentlichen sind dies Ingenieur-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Ziel des Studiums ist es, Studierende zu einem erfolgreichen Produktionsmanagement zu befähigen. Sie sollen also Produktionsabläufe aller Art mit sämtlichen Facetten organisieren können. Hinzu kommen Tätigkeiten im mittleren bis oberen Management. So können Wirtschaftsingenieure auch Ausbilderfunktionen übernehmen und Weiterbildungen durchführen, etwa unter Zuhilfenahme von Learning Management Systems.
Die Höhe der Kosten für eine Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur hängt sowohl davon ab, welcher Anbieter eines Fernstudiums gewählt wird, als auch von der Art des Studienfachs. So kann eine Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur ein komplett eigenständiger Studiengang mit dem Abschluss „Bachelor of Engineering“ oder „Diplom-Wirtschaftsingenieur“ sein, sie kann aber auch ein Aufbaustudium darstellen. Angebote für ein Aufbaustudium gibt es für Personen, die einen technischen oder einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang erfolgreich abgeschlossen haben.
Die finanziellen und die zeitlichen Investitionen in ein Fernstudium zum Wirtschaftsingenieur machen sich mit großer Wahrscheinlichkeit später bezahlt. Wirtschaftsingenieure sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Ein großer Vorteil dieser Fachrichtung ist, dass Wirtschaftsingenieure nicht auf einen engen Einsatzbereich beschränkt sind.
Das Fernstudium zeichnet sich dadurch aus, dass die Studierenden das Managen von Abläufen und das schnelle Einarbeiten in neue Begebenheiten lernen. Ein spezialisiertes technisches Wissen ist – zumindest während des Studiums – nicht vonnöten, so dass Unternehmen sämtlicher Industriezweige potenzielle Arbeitgeber sind. Auch deshalb sollte es für erfolgreiche Absolventen kein Problem darstellen, einen Arbeitsplatz in diesem Bereich zu finden.
Präsenz- oder Fernstudium: Welche Studienform verursacht welche Kosten?
Das klassische Präsenzstudium an einer staatlichen Hochschule zeichnet sich durch vergleichsweise niedrige Gebühren aus. In der Regel fällt lediglich ein Semesterbeitrag von wenigen hundert Euro an. Dennoch dürfen die hohen indirekten Kosten nicht unterschätzt werden. Dazu zählen primär die Lebenshaltungskosten am Studienort, z. B. die Miete in (teuren) Universitätsstädten sowie die nötige Mobilität. Da ein Vollzeit-Präsenzstudium zudem kaum Spielraum für eine gleichzeitige Berufstätigkeit lässt, muss man hier auch mit sogenannten Opportunitätskosten rechnen, die sich durch das entgangene Einkommen ergeben.
Im Gegensatz dazu ergibt sich die größte finanzielle Belastung beim Fernstudium durch die wesentlich höheren Studiengebühren. Da diese Studiengänge in der Regel von privaten Akademien angeboten werden, summieren sich die monatlichen Raten schnell auf einen vier- oder gar fünfstelligen Gesamtbetrag. Dem stehen jedoch erhebliche Einsparungen bei den Lebenshaltungskosten gegenüber, da kein Umzug nötig ist bzw. keine Wohnung in einer teuren Stadt angemietet werden muss. Und: Es ist möglich, neben dem Studium in Vollzeit zu arbeiten.
- Was gehört alles zum Gehalt? - 19. August 2026
- Wirtschaftsingenieur werden: Studium oder Fernstudium? - 15. August 2026
- Weiterbildung für soziale Berufe: Das Fernstudium „Soziale Arbeit“ - 14. August 2026






