In Deutschland werden Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf weiterhin vergleichsweise häufig an Förderschulen unterrichtet. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte macht nun deutlich, dass dies oft nicht dem eigentlichen Wunsch vieler Eltern entspricht. Demnach lehnen 82 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder mit Behinderungen eine getrennte Beschulung ab. Selbst unter den Eltern, deren Kinder bereits eine Förderschule besuchen, würden 69 Prozent lieber eine allgemeine Schule wählen, wenn dort bessere Bedingungen herrschten.
Für die Untersuchung mit dem Titel „Inklusive Bildung zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ wurden erstmals bundesweit rund 7.500 Eltern von Kindern mit Behinderungen zu ihren Erfahrungen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin eine hohe Exklusionsquote aufweist. Rund 60 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen nach wie vor eine Förderschule.
Aus Sicht des Deutschen Instituts für Menschenrechte ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass die bestehenden Strukturen den Ansprüchen an ein inklusives Bildungssystem nicht gerecht werden. Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention, sieht darin einen klaren politischen Auftrag. Eltern wollten inklusive Schulen, deshalb müsse der Staat seine menschenrechtliche Verpflichtung erfüllen und den Aufbau eines guten inklusiven Schulsystems in allen Bundesländern konsequent vorantreiben.
Auffällig sind dabei die großen Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Bremen nur 9 Prozent der Kinder mit Behinderungen eine Förderschule besuchen, sind es in Bayern 66 Prozent. Nach Einschätzung des Instituts dienen Förderschulen vielerorts als Auffanglösung, weil allgemeine Schulen Kinder mit besonderem Förderbedarf aufgrund struktureller Defizite nicht ausreichend unterstützen können. Dadurch bleiben getrennte Systeme bestehen, statt inklusive Bildung auszubauen.
Die Studie kritisiert zudem, dass viele Landesregierungen am Förderschulsystem festhalten, weil sie davon ausgehen, Eltern würden diese Schulen bevorzugen. Genau dieses Bild wird durch die Befragung jedoch infrage gestellt. Viele Eltern entscheiden sich demnach nicht aus Überzeugung für eine Förderschule, sondern weil sie allgemeine Schulen als nicht ausreichend ausgestattet erleben. Das Institut spricht deshalb von einem Scheinwahlrecht: Wenn Familien nur zwischen einer gut ausgestatteten Förderschule und einer schlecht aufgestellten Regelschule wählen können, gebe es in Wahrheit keine echte Entscheidungsmöglichkeit.
Auch die Beratung von Eltern ist laut Studie häufig unausgewogen. 41 Prozent der Befragten berichten, dass ihnen im Beratungsgespräch eine Förderschule empfohlen wurde. Nur 24 Prozent erhielten eine Empfehlung für eine allgemeine Schule. Dabei werde oft zu wenig berücksichtigt, dass der Besuch einer Förderschule weitreichende Folgen für den weiteren Bildungsweg haben kann.
Nach Angaben der Studie verlassen rund 73 Prozent der Schülerinnen und Schüler Förderschulen ohne Abschluss. Im Anschluss folgen häufig getrennte Ausbildungswege, die nur eingeschränkte Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bieten. Für viele bleibt am Ende nur eine Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allgemeinen Schulen nachweislich mehr lernen. Werden inklusive Möglichkeiten in der Beratung überhaupt aufgezeigt, entscheiden sich Eltern auch deutlich häufiger für eine allgemeine Schule.
Ein weiterer Befund: Kinder mit Behinderungen wechseln deutlich häufiger aus dem Regelschulsystem heraus, als dass sie neu in dieses aufgenommen werden. Auch das sieht das Institut als Zeichen dafür, dass inklusive Bildung in Deutschland noch immer nicht ausreichend abgesichert ist.
Die Autorinnen und Autoren der Studie verweisen darauf, dass gemeinsames Lernen nicht nur möglich ist, sondern allen Kindern zugutekommen kann. Zahlreiche Schulen in Deutschland zeigten bereits heute, dass gute inklusive Bildung funktioniert. Auch ein Blick in andere Länder wie Italien oder skandinavische Staaten mache deutlich, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderungen seit Jahren erfolgreich im allgemeinen Schulsystem lernen können.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Deutsches Institut für Menschenrechte/Veröffentlicht am 30.06.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.
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