Mentale Gesundheit von Studierenden weiter unter Druck

Nima

Gestresste Studentin

Der psychische Zustand vieler Studierender bleibt angespannt. Über die Hälfte schätzt die eigene mentale Verfassung als eher schlecht ein, zugleich verschlechtert sich die wahrgenommene Lebensqualität. Besonders Studentinnen berichten von stärkeren psychischen und körperlichen Belastungen, höherem Druck und einem geringeren Sicherheitsgefühl auf dem Campus. Das geht aus dem Mental-Health-Barometer 2025 von Instahelp und Studo hervor.

Die fünfte Erhebung zeigt deutliche Trends: 56,7 Prozent der insgesamt 6.080 Befragten gaben an, dass es ihnen in den zwei Wochen vor der Befragung eher schlecht oder schlecht ging. Damit wurde der höchste Wert seit Beginn der Studie im Jahr 2021 erreicht. Positiv entwickelt sich hingegen der Umgang mit dem Thema mentale Gesundheit. Während es zu Beginn der Erhebung noch von über drei Vierteln als Tabu wahrgenommen wurde, sank dieser Anteil bis 2025 auf rund 61 Prozent. Dennoch empfindet nur etwa ein Drittel der Studierenden, dass ein offenes Gespräch über psychische Belastungen tatsächlich möglich ist. Aus Sicht von Instahelp verdeutlicht das den Bedarf an leicht zugänglichen Unterstützungsangeboten für junge Menschen.

Hoher Druck trotz leichter Entspannung – Studentinnen stärker betroffen

Auch wenn das subjektive Stressempfinden im Vergleich zu früheren Jahren leicht zurückgegangen ist, bleibt die Belastung hoch. Rund zwei Drittel der Studierenden fühlen sich durch ihr Studium stark oder sehr stark unter Druck gesetzt. Als Hauptursachen werden ein hoher Arbeitsaufwand, Prüfungen, psychische Belastungen sowie finanzielle Unsicherheiten genannt. Zusätzlich geben mehr als 50 Prozent an, dass weltpolitische und wirtschaftliche Entwicklungen wie Inflation oder internationale Krisen ihre mentale Gesundheit negativ beeinflussen.

Die Auswertung nach Geschlechtern zeigt klare Unterschiede. Studentinnen berichten insgesamt von einer deutlich schlechteren psychischen und körperlichen Verfassung als ihre männlichen Mitstudierenden. Sie empfinden mehr Druck, nehmen globale und gesellschaftliche Konflikte als stärkere Belastung wahr und sehen Auswirkungen auf Wohlbefinden und Studienleistung. Zudem fühlen sie sich auf dem Campus signifikant unsicherer.

Der Kooperationsmanager von Studo, Maximilian Ritter, ordnet dieses Ergebnis als ernstes Warnsignal ein. Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass Hochschulen schnell reagieren können. Deshalb setze Studo in der Campus-App auf ein System für Notfall-Benachrichtigungen, mit dem Studierende in Gefahrensituationen unmittelbar über ihr Smartphone informiert werden können.

Mentale Gesundheit anerkannt – im Alltag aber zu wenig Raum

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Einstellung und tatsächlichem Verhalten. Über 70 Prozent der Studierenden bewerten mentale und körperliche Gesundheit als gleich bedeutsam. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Knapp die Hälfte investiert wöchentlich mehrere Stunden in Bewegung, Ernährung oder soziale Kontakte, für die bewusste Pflege der eigenen Psyche bleibt hingegen kaum Zeit. Rund zwei Drittel nehmen sich höchstens eine Stunde pro Woche für mentale Gesundheit, etwa durch Reflexion, Entspannungsübungen oder Beratung.

Dieses Missverhältnis wirkt umso widersprüchlicher, da mehr als die Hälfte den eigenen psychischen Zustand als eher schlecht beschreibt. Das Bewusstsein für die Problematik ist vorhanden, doch es fehlen häufig passende Strukturen, feste Routinen und ausreichend unterstützende Angebote.

Die Geschäftsführerin von Instahelp, Dr. Bernadette Frech, macht deutlich, dass es weniger am Willen als an den Rahmenbedingungen liege. Studierende hätten zwischen Studium, Nebenjob und Alltag oft kaum Ressourcen, während gleichzeitig hohe Kosten anfallen. Dadurch werde professionelle Hilfe häufig aufgeschoben. Hoffnung setzt sie in die geplante Kostenübernahme klinisch-psychologischer Behandlungen in Österreich ab 2026, betont jedoch, dass dieser Schritt allein nicht ausreiche.

Große Bereitschaft, aber hohe Hürden beim Hilfesuchen

Grundsätzlich ist die Offenheit für Unterstützung groß. Mehr als 86 Prozent der Studierenden wünschen sich bei psychischen Problemen professionelle Hilfe. Dennoch hält nur knapp die Hälfte diesen Schritt unter den aktuellen Bedingungen für realistisch. Vor allem Studentinnen würden häufiger Hilfe in Anspruch nehmen, wenn finanzielle und organisatorische Hürden geringer wären. Da diese oft bestehen bleiben, greifen viele auf Selbstrecherche und informelle Selbsthilfe zurück.

Wären Kosten kein limitierender Faktor, würden Studierende vor allem Coaching-Angebote, psychologische Behandlung und Psychotherapie vor Ort, Studierendenberatungen sowie psychologische Online-Angebote bevorzugen.

Hintergrund zum Mental-Health-Barometer 2025

Das Mental-Health-Barometer von Instahelp und Studo wird seit 2021 jährlich unter Studierenden in Österreich und Deutschland durchgeführt. Ziel ist es, Entwicklungen im Bereich der psychischen Gesundheit sichtbar zu machen und eine fundierte Grundlage für Maßnahmen in Bildung, Gesundheitswesen und Politik zu schaffen. Die fünfte Befragung fand im Herbst 2025 online statt und umfasste 6.080 Studierende.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Insta Communications GmbH/Veröffentlicht am 26.01.2026