Medienbildung statt Verbote: Kinderhilfswerk und GMK fordern neuen Kurs

Nima

Kind mit Smartphone

Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) sowie das Deutsche Kinderhilfswerk sprechen sich für einen grundlegenden Kurswechsel in der Debatte über die Smartphonenutzung junger Menschen aus. Nach Einschätzung beider Verbände greifen die derzeitigen Verbotsdiskussionen zu kurz, verstärken soziale Ungleichheiten und lassen sowohl die technischen Rahmenbedingungen als auch die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen außer Acht. Statt pauschaler Einschränkungen brauche es einen Paradigmenwechsel: Medienpolitik müsse regulatorische Maßnahmen stets mit einer verbindlich abgesicherten, lebensweltorientierten Medienbildung entlang der gesamten Bildungskette verknüpfen. Dabei spiele insbesondere die frühkindliche Bildung eine Schlüsselrolle. Schon in jungen Jahren sollten Grundlagen gelegt und Medienkompetenz gezielt gefördert werden. Vor diesem Hintergrund schlagen die Verbände eine Ausweitung des Digitalpakts 2.0 auf den frühkindlichen Bereich vor – in Form eines „Digitalpakts Medienbildung von Anfang an“.

Nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerkes seien die aktuellen Verbotsforderungen zunehmend von populistischen Ansätzen geprägt. Diese präsentierten Verbote als scheinbar einfache Lösungen für komplexe soziale und technische Fragen und schoben die Verantwortung auf Eltern ab, die ohnehin häufig überlastet seien. Eine solche Politik gehe zulasten von Teilhabe und Kinderrechten, schränke junge Menschen ein und verhindere den Erwerb wichtiger Medienkompetenzen. Stattdessen müsse es darum gehen, digitale Selbstbestimmung, einen kritischen Umgang mit Medien sowie kreative Nutzung zu fördern. Darüber hinaus dürften weder Familien noch Kinder allein gelassen werden. Notwendig sei ein verbindlicher Ausbau der Medienbildung, kombiniert mit einer stärkeren Verantwortung seitens der Anbieter: Plattformen müssten reguliert, Altersgrenzen eingehalten und kinderfreundliche Standards verpflichtend festgelegt werden.

Die GMK verweist auf eine eigene Mitgliederumfrage, die zeige, dass für eine nachhaltige Medienbildung klare politische Rahmenbedingungen erforderlich seien. Diese müssten weit über den reinen Ausbau von Technik hinausgehen. Medienpädagogik solle strukturell, rechtlich und finanziell abgesichert und in allen Bildungsphasen fest verankert werden. Frühkindliche Medienbildung dürfe nicht als Zusatz verstanden werden, sondern sei der entscheidende Ausgangspunkt, um spätere Verbote überflüssig zu machen. Sie stärke Medienkompetenz, Resilienz und Ausdrucksfähigkeit, fördere Kreativität und sei Grundlage für digitale Mündigkeit sowie demokratische Teilhabe.

Auch die Weiterentwicklung des Digitalpakts 2.0 müsse über reine Infrastrukturmaßnahmen hinausgehen. Gefordert seien Rahmenbedingungen, die Pädagogik stärker einbeziehen und eine nachhaltige digitale Teilhabe sicherstellen. Dazu gehöre die verbindliche Aufnahme medienpädagogischer Inhalte in Curricula von Anfang an, die Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte bereits in Kitas, der Einsatz von umfassend geschultem Pflichtpersonal in allen Bildungseinrichtungen sowie die Schaffung kooperativer Strukturen mit außerschulischen Partnern. Ziel sei ein Digitalpakt Bildung, der nicht nur Technik bereitstelle, sondern auch die personellen und strukturellen Grundlagen für eine qualitativ hochwertige Medienbildung und demokratische Kompetenzförderung schaffe – und zwar von Anfang an.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Deutsches Kinderhilfswerk e.V./ Veröffentlicht am 12.08.2025