Mit dem Start des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung rückt nicht nur die Zahl der verfügbaren Plätze in den Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie Ganztag inhaltlich gestaltet wird. Nach Auffassung vieler Fachleute kommt es entscheidend darauf an, ob Ganztagsangebote kindgerecht, qualitativ hochwertig und chancengerecht aufgebaut werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kulturelle Bildung, die aus Sicht von Expertinnen und Experten einen wesentlichen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten kann.
Im Rahmen der Zukunftskonferenz Ganztag haben Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Schule, Jugendarbeit, Wissenschaft, Verwaltung und Politik gemeinsam darüber beraten, wie Kulturelle Bildung dauerhaft im Ganztag verankert werden kann. Die Veranstaltung der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung fand am 2. und 3. Juni 2026 in Berlin statt. Rund 120 Teilnehmende diskutierten dort, wie Ganztag künftig qualitativ stark, kooperativ und kindgerecht gestaltet werden kann und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.
Unter dem Titel „Ziele bündeln, Zukunft gestalten – Kulturelle Bildung im Ganztag zwischen Rechtsanspruch, Kooperation und Praxis“ brachte die Konferenz Menschen aus Kommunen, Ministerien, Schulen, der Kulturellen Bildung und weiteren non-formalen Bildungsbereichen zusammen. Auch Schülerinnen und Schüler sowie Eltern waren beteiligt. Gemeinsam entwickelten sie Perspektiven für einen Ganztag, der mehr ist als reine Betreuung und der Kindern echte Teilhabe und Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
Ganztag soll als Bildungs- und Lebensraum verstanden werden
In der Diskussion wurde deutlich, dass Bildungsgerechtigkeit nicht allein dadurch entsteht, dass genügend Betreuungsplätze vorhanden sind. Vielmehr müsse Ganztag als umfassender Bildungs- und Lebensraum verstanden werden, der sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Dazu gehöre, Mitbestimmung zu ermöglichen, individuelle Entwicklung zu fördern und die bisher oft strikte Trennung zwischen schulischem Lernen am Vormittag und ergänzenden Angeboten am Nachmittag zu überwinden.
Ute Barthel von der Deutschen Sportjugend machte deutlich, dass Ganztag bewegter gestaltet werden müsse und Bereiche wie Sport und Kulturelle Bildung stärker zusammenfinden sollten, um gemeinsame Projekte umzusetzen.
Die Teilnehmenden arbeiteten entlang verschiedener Themenfelder. Dabei blickten sie auf die historische Entwicklung des Ganztags, beschrieben die heutige Situation aus unterschiedlichen Perspektiven und entwarfen Zielbilder für einen qualitativ starken Ganztag der Zukunft. Im Zentrum stand die Vorstellung eines kooperativen Bildungsnetzwerks, in dem unterschiedliche Professionen und Sichtweisen gleichberechtigt zusammenwirken.
Dieses Netzwerk soll nach den Ergebnissen der Konferenz durch verbindliche Zusammenarbeit, Sozialraumorientierung, die feste Einbindung Kultureller Bildung und verlässliche Rahmenbedingungen getragen werden. Dazu zählen Qualitätsstandards, Fortbildungsmöglichkeiten und eine gesicherte Finanzierung. Birgit Bischer vom Ganztagsträger PaedAktiv in Baden-Württemberg betonte, dass dafür nicht nur gute Konzepte nötig seien, sondern auch konkrete Voraussetzungen. Es brauche Organisation, ausreichende Ressourcen und vor allem verbindliche Qualitätskriterien für die Integration Kultureller Bildung in den Ganztag.
Verlässliche Strukturen statt einzelner Angebote
Am zweiten Tag der Konferenz ging es vor allem um konkrete Maßnahmen. Dabei zeigte sich, dass ein qualitativ hochwertiger Ganztag nicht durch einzelne Projekte oder Zusatzangebote entsteht, sondern durch verlässliche Strukturen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene. Notwendig seien gemeinsame Qualitätsmaßstäbe und eine langfristig gesicherte Finanzierung. Vor allem müsse Ganztag konsequent vom Kind aus gedacht und als gemeinsame Aufgabe von Bildung, Kultur, Jugendhilfe und Politik verstanden werden.
Wie wichtig funktionierende Netzwerke und regelmäßiger Austausch auf lokaler Ebene sind, unterstrich auch Ulrich Diekmann vom Sozialwerk für Bildung und Jugend in Olsberg. Er sprach sich dafür aus, dass mindestens einmal im Jahr alle Beteiligten zusammenkommen, um über aktuelle Entwicklungen, Projekte und Kooperationsmöglichkeiten zu sprechen. Allein lasse sich ein guter Ganztag oft nicht wirksam gestalten.
Die BKJ kündigte an, die Ergebnisse der Konferenz für die Weiterentwicklung ihrer Positionen zu nutzen und in den fachpolitischen Diskurs einzubringen. Sie will sich weiterhin dafür einsetzen, Kulturelle Bildung im Ganztag strukturell zu stärken und die Interessen ihrer Mitgliedsorganisationen zu vertreten.
Rechtsanspruch gilt ab August 2026
Hintergrund der Debatte ist der neue Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Deutschland. Er gilt ab dem 1. August 2026 zunächst für neu eingeschulte Grundschulkinder und wird bis 2029 schrittweise auf alle Kinder der Klassen eins bis vier ausgeweitet. Der Anspruch umfasst acht Stunden Betreuung an Werktagen sowie Ferienbetreuung mit Ausnahme von höchstens vier Schließwochen im Jahr.
Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung versteht sich als Fach- und Dachverband für Kulturelle Bildung in Deutschland. Sie setzt sich für kulturelle Teilhabe, gerechte Bildungs- und Lebenschancen sowie die Mitwirkung junger Menschen ein. Darüber hinaus engagiert sie sich für den Ausbau von Kooperationen im Ganztag und für die stärkere Verankerung Kultureller Bildung in Bildungslandschaften und ganztägigen Bildungsangeboten.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ)/Veröffentlicht am 04.06.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.
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