Kinder und Jugendliche bewerten korrekte Rechtschreibung deutlich höher, als es die öffentliche Debatte oft vermuten lässt. Obwohl die Rechtschreibkompetenz seit Jahren abnimmt, sehen viele junge Menschen fehlerfreies Deutsch als wichtigen Baustein für ihren persönlichen Erfolg. Das verdeutlicht die erste repräsentative Umfrage, die gezielt Kinder und Jugendliche zur Rechtschreibung befragt hat.
Die bundesweite Erhebung wurde im Dezember 2025 im Auftrag des privaten Bildungsanbieters Studienkreis vom auf diese Altersgruppe spezialisierten Institut KB&B Family Facts durchgeführt. Befragt wurden 1.011 Mädchen und Jungen im Alter von acht bis 16 Jahren. Rund 85 Prozent gaben an, richtiges Schreiben sei ihnen wichtig oder sehr wichtig. Etwa 80 Prozent meinten zudem, dass Rechtschreibung auch in Zeiten von KI, Autokorrektur und Sprachassistenten eine große Rolle behalten werde.
Politische Brisanz: Rückgänge in Deutsch treffen auf Zweifel am Stellenwert
Die Ergebnisse sind deshalb so brisant, weil sie einem gegenteiligen Trend in der Bildungsforschung gegenüberstehen. Die bundesweiten Daten des IQB-Bildungstrends weisen deutliche Kompetenzrückgänge in Deutsch aus – besonders in der Orthografie. Gleichzeitig wird in Politik und Gesellschaft immer häufiger diskutiert, ob Rechtschreibung im Unterricht noch die frühere Bedeutung haben müsse. Aus Sicht vieler Betroffener fehlte in dieser Debatte bislang eine Perspektive: die der Kinder selbst.
Rechtschreibung ist für viele mehr als eine Schulnote
Die Umfrage legt nahe, dass Rechtschreibung von Kindern und Jugendlichen nicht nur als schulisches Leistungskriterium verstanden wird. Für die große Mehrheit ist sie relevant; lediglich 2 Prozent bezeichneten sie als gar nicht wichtig. Vor allem ältere Jugendliche zwischen 14 und 15 Jahren berichten demnach ein klares Bewusstsein dafür, dass korrektes Schreiben dazu beiträgt, ernst genommen zu werden und professionell zu wirken. Besonders Mädchen sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten legen überdurchschnittlich viel Wert auf fehlerfreie Texte.
Bemerkenswert ist außerdem, dass Rechtschreibung auch im digitalen Alltag nicht an Bedeutung verliert: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) stört sich an Fehlern in Texten anderer – auch bei Influencerinnen und Influencern, die für viele Jugendliche eine Vorbildfunktion haben.
Realität an Schulen: Orthografie-Leistungen sinken deutlich
Während die befragten Kinder die Bedeutung der Rechtschreibung klar benennen, dokumentiert der IQB-Bildungstrend 2022 einen starken Leistungsabfall, besonders im Bereich Orthografie. Die Rechtschreibleistungen von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern liegen im Vergleich zu 2015 um 31 Kompetenzpunkte niedriger – ein statistisch signifikanter und bundesweit einheitlicher Rückgang.
Besonders stark betroffen sind Jugendliche aus sozioökonomisch schwächeren Familien. Gleichzeitig nimmt die Spreizung zu: Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler verbessern sich eher, während leistungsschwächere weiter zurückfallen. Auch Ausbildungsbetriebe schlagen Alarm, weil fehlende Rechtschreibkompetenzen den Einstieg ins Berufsleben spürbar erschweren.
Der Sprecher des Studienkreises, Thomas Momotow, habe dazu erklärt, die Lücke zwischen Anspruch und Realität werde größer: Kinder wollten gut schreiben und kennten die Vorteile korrekter Rechtschreibung, doch im Schulalltag gelinge es ihnen immer seltener, diese Fähigkeit zuverlässig aufzubauen.
KI hilft – ersetzt aber keine Grundlagen
Viele Kinder und Jugendliche scheinen digitale Unterstützung realistisch einzuschätzen. Autokorrektur und KI erleichtern Schreibprozesse, werden aber nicht als Ersatz für eigene Kenntnisse verstanden. Knapp 80 Prozent gehen davon aus, dass Rechtschreibung auch künftig wichtig bleibt – etwa bei Bewerbungen, Prüfungen und in der beruflichen Kommunikation.
Mehrere Aussagen aus dem Alltag der Befragten unterstreichen das: Eine Schülerin habe beschrieben, dass Rechtschreibung in der Schule wegen Fehlerpunkten zähle und im Alltag Missverständnisse entstehen könnten, wenn man ungenau schreibe. Ein anderer Schüler habe berichtet, Autokorrektur sei zwar hilfreich, produziere aber gelegentlich falsche Vorschläge, weshalb man selbst noch sicher schreiben müsse. Ein Jugendlicher habe außerdem betont, korrekte Rechtschreibung sei grundsätzlich wichtig, die konkrete Relevanz hänge aber auch vom angestrebten Beruf ab.
Expertensicht: Zielgerichtete Förderung wird entscheidender
Bildungswissenschaftlerinnen und Bildungswissenschaftler stützen die Einschätzung, dass Rechtschreibung weit über das Fach Deutsch hinaus wirkt. Prof. Dr. Friedrich Schönweiss, emeritierter Professor für Bildung und Neue Medien an der Universität Münster, habe betont, gute Rechtschreibung sei für alle Schulfächer wichtig und später ein Aushängeschild in Ausbildung und Beruf. Um den Abwärtstrend bei orthografischen Kompetenzen zu drehen, brauche es seiner Einschätzung nach eine gezielte und intensive Förderung von Kindern und Jugendlichen.
Fazit: Motivation ist da – Unterstützung muss nachziehen
Unterm Strich zeigt die Umfrage: Kinder wollen korrekt schreiben und nehmen Sprache ernst – oft ernster, als es die öffentliche Diskussion vermuten lässt. Gleichzeitig belegen Bildungsdaten einen anhaltenden Rückgang der Leistungen. Thomas Momotow habe daraus abgeleitet, dass Eltern, Schulen und Bildungspolitik gemeinsam gefordert seien, die vorhandene Motivation aufzunehmen und gezielt zu fördern. Er habe zudem darauf hingewiesen, dass die Nachfrage nach spezifischer Rechtschreibförderung deutlich steige. Deshalb baue der Studienkreis sein Angebot aus und starte erstmals ein eigenes Rechtschreibtraining in Zusammenarbeit mit dem Lernserver-Bildungsprojekt. Dort, wo Schule an strukturelle Grenzen stoße, bräuchten Kinder zusätzliche Unterstützung, um sprachlich nicht den Anschluss zu verlieren.
Der Lernserver ist ein von Prof. Dr. Friedrich Schönweiss an der Universität Münster entwickeltes Bildungsprojekt. Es unterstützt Kinder und Jugendliche mit individuell abgestimmten Materialien beim Lesen- und Schreibenlernen. Grundlage ist eine wissenschaftlich fundierte Analyse der Rechtschreibkompetenz, aus der passgenaue Übungsmaterialien für die Lese- und Rechtschreibförderung abgeleitet werden.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Studienkreis GmbH/Veröffentlicht am 26.01.2026
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