KI-Kompetenzen: Hohe Nachfrage, geringe Verfügbarkeit

Nima

künstliche intelligenz

Künstliche Intelligenz gilt als zentraler Faktor für die zukünftige Leistungsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft. Trotz intensiver öffentlicher Debatten zeigt sich jedoch, dass es in der praktischen Anwendung häufig an Wissen, Erfahrung und strukturierten Lernangeboten fehlt. Eine aktuelle Auswertung der Hochschul-App UniNow unter 800.000 Studierenden verdeutlicht diesen Befund: Der Bedarf an fundierten KI-Kompetenzen ist hoch, während entsprechende Angebote in Studium und Beruf vielerorts nicht ausreichen.

KI-Kompetenz gefragt, aber selten Teil des Studiums

Lediglich rund ein Drittel der befragten Studierenden berichtet, dass KI als verbindliches Element im Studienplan verankert ist. Ein Viertel begegnet dem Thema bisher überhaupt nicht, weitere 35 Prozent nur vereinzelt – etwa in speziellen Seminaren oder projektbezogenen Lehrformaten.

Gleichzeitig formulieren die Studierenden klare Erwartungen: 47 Prozent wünschen sich deutlich mehr praxisorientierte Anwendungen und Werkzeuge, während rund ein Viertel stärker in theoretische Grundlagen, ethische Fragestellungen und gesellschaftliche Auswirkungen eintauchen möchte. Die Nachfrage nach KI-Wissen ist damit eindeutig, doch das bestehende Angebot bleibt weit hinter diesen Erwartungen zurück. Wolfgang Achilles, Geschäftsführer der Jobbörse Jobware, hebt hervor, dass Studierende verstehen möchten, wie KI funktioniert und wie sie verantwortungsvoll eingesetzt werden könne. Diese Fähigkeiten würden künftig maßgeblich über die Innovationskraft von Absolventinnen und Absolventen sowie von Unternehmen entscheiden.

Unternehmen stehen vor ähnlichen Herausforderungen

Auch in der Arbeitswelt zeigt sich ein vergleichbares Kompetenzdefizit. Laut der Studie AI at Work 2025 der Boston Consulting Group nutzt bereits etwa jede zweite beschäftigte Person KI-gestützte Werkzeuge. Dennoch gibt nur ein Drittel an, sich ausreichend darauf vorbereitet zu fühlen. Fehlende Weiterbildungen, unscharfe Richtlinien und eine unzureichende strategische Verankerung verlangsamen den Fortschritt.

Mangels Orientierung entstehen in vielen Organisationen informelle Lösungen, die unter dem Begriff Shadow AI bekannt sind. Diese führen zu Risiken für Datenschutz, Effizienz und Compliance. Achilles weist darauf hin, dass ohne klare Rahmenbedingungen und systematische Qualifizierung das Vertrauen in KI sowie ihre Wirksamkeit schnell sinken könnten.

Die Parallele zur Hochschullehre ist offensichtlich: Wenn Wissen im Studium nicht aufgebaut wird, fehlt es später im Berufsalltag an souveräner Anwendung. Nicht vermittelte Inhalte entwickeln sich zu Anwendungslücken, die Innovationsprozesse bremsen. Achilles betont, dass die kommende Generation KI aktiv verstehen und mitgestalten wolle. Dafür brauche es praxisorientierte Lernumgebungen und Arbeitgeber, die Offenheit gegenüber neuen Technologien fördern.

Wissen schafft Zukunftsfähigkeit

Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass junge Menschen KI nicht nur theoretisch erfassen, sondern aktiv nutzen möchten. Hochschulen und Unternehmen stehen deshalb gleichermaßen unter Handlungsdruck.

Investitionen in KI-Bildung schaffen einen doppelten Mehrwert: Sie fördern qualifizierten Nachwuchs und stärken gleichzeitig die Innovationskraft von Organisationen. Erst wenn Lernorte, Lehrkonzepte und berufliche Praxis konsequent zusammengedacht werden, entsteht langfristige Zukunftsfähigkeit – für Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und Gesellschaft.

Über die Umfragen

Die Erhebungen fanden unter 800.000 Studierenden an deutschen Hochschulen statt und liefern Einblicke in den Umgang mit KI im universitären Kontext.
Auf die Frage, ob KI bereits Bestandteil des Studienplans ist, gaben 30 Prozent an, dass entsprechende Inhalte fest integriert seien. 35 Prozent erleben KI nur punktuell, 24 Prozent überhaupt nicht, und 12 Prozent machten keine Angabe. Insgesamt nahmen 713 Studierende an dieser Frage teil.

Zur gewünschten Form der KI-Vermittlung äußerten 24 Prozent Interesse an theoretischen Grundlagen wie Algorithmen und Ethik. 46 Prozent wünschen sich praktische Anwendungen und Werkzeuge, 14 Prozent bevorzugen praxisnahe Projektarbeiten. 16 Prozent haben hierzu noch keine konkrete Meinung. An dieser Befragung nahmen 637 Studierende teil.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Jobware GmbH/Veröffentlicht am 03.12.2025